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  PROJECT DETAILS

PROJECT START: 12.2005
CONCEPT: CHRISTIAN MAHLER


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ABSTRACT  

Bevor technische Bilder durch den Privatgebrauch ein Massenphänomen wurden, zeichneten Autoren wie etwa Marcel Proust, James Joyce oder Robert Musil über individuelle Lebensschilderungen ein literarisches Gesellschaftsportrait. Ein diesem Konzept entgegengesetztes, aber ebenso mentales Gesellschaftsbild wird auch durch die Jahrbücher des Statistischen Bundesamtes geprägt. Die Entindividualisierung hilft, ein Metabild zu entwerfen, in dem über Angaben wie Körpergröße, Gewicht, Verdienst, Konsumverhalten und Todesursachen prototypische Muster deutlich werden. Überdenkt man diese beiden Konzepte im Zuge des Pictorial Turn, wird schnell deutlich, dass die am weitesten verbreitete Methode der Auslagerung einer Individualität die der fotografischen oder filmischen ist. Mit der Erfindung der Fotografie und Telegrafie und dem Verlegen der transatlantischen Kabel im 19.Jahrhundert wurde noch vor dem Siegeszug digitaler Technologien der Grundstein für eine globale Medienkultur geschaffen. Die Fotografie als Urvater der technischen Bilder sorgt bis heute dafür, dass sich über den Globus hinweg ein riesiger ikonischer Schaum ablagern konnte. Die Telegrafie beschleunigte die Vernetzung des Informations- und Medienraumes hin zu einer kulturellen Sphäre der globalen Information. An den digitalen Schnittstellen dieser Entwicklungen entstehen eine Vielzahl hochinteressanter Hybride. Diese kontrollieren den Pulsschlag der unübersehbar täglich wachsenden E-konosphäre, der Sphäre der vernetzten technischen Bilder. Aufgrund der immensen Anzahl der Bilder und einer Gemeinsamkeit oder gar Redundanz an Inhalten und Formen ist man in der Lage, verschiedenste Gruppen, Kategorien und Topoi zu bilden. Sucht man etwa in der Google-Bilderdatenbank Begriffe wie “Familie”, “Frau” oder “Baby”, bekommt man den Zugang zu einer Vielzahl individueller Erinnerungen an verschiedene Etappen eines Lebens. Da es unserer Wahrnehmung eigen ist, ähnliche Eindrücke zusammenzufassen, Chaos zu strukturieren und zu abstrahieren, bilden sich in der Summe aller Bilder Muster, Muster von Familien, Frauen und Babys. Ordnet und sortiert man das Material nicht nur, sondern schöpft aus diesem, um Neues zu generieren, eröffnet dies das Tor zu einer kulturellen Praxis, die man am ehesten als Meta-Kreation bezeichnen könnte. Nicht mehr die fotografische Linse und mit ihr die Perspektive prägen ihre Ästhetik, sondern die Fülle und Vielschichtigkeit der Quellen. Es ist eine Ästhetik des Archivs, der Masse, der Redundanz und des Verschwindens. War von der Renaissance bis zum Ende des 20.Jahrhunderts die Perspektive die symbolische Form der Bildkultur, so wird im 21. Jahrhundert die Linse vollständig mit der Datenbank fusionieren. Da das Trägermedium der Bildinformation nicht mehr als Abbildungsmedium einer äußeren Realität dient, sondern als Datenbank von bits und bites, können diese zu Metastrukturen zusammengefasst werden, die das Verhältnis von Realität, Abbild und Wahrnehmung neu definieren. Die dabei entstehenden Hybride aus linsenbasierten und algorythmischen Bildgenerierungsverfahren werden Medienobjekte einer höheren Kategorie oder besser einer höheren Stufe der Abstraktion und Virtualität.


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